Eigentlich wollten wir als GAiN Austria im Juni zu einem Hilfseinsatz zum berüchtigten Flüchtlingslager „Moria“ auf Lesbos aufbrechen. Doch Corona machte uns einen Strich durch die Rechnung. Trotzdem wollten wir uns nicht geschlagen geben und machten daraus einen großen internationalen GAiN-Einsatz. Wir waren überwältigt von der Spendenbereitschaft der österreichischen Unterstützer! Gleichzeitig machten sich acht Mitarbeiter unseres Katastrophenteams DART (Disaster Assistance and Response Team) aus verschiedenen europäischen Ländern auf den Weg, obwohl nach der Ankunft erst einmal zwei Wochen Quarantäne auf sie warteten. Auch ein Hilfsgütertransport aus Österreich mit 15.000 Windeln, warmer Unterwäsche, Decken und Schlafsäcken wurde auf den Weg gebracht. In der Zwischenzeit wurden bereits eine Isolierstation, mehrere Sanitäranlagen und Schlafräume aufgebaut und eingerichtet sowie Hilfsgüter verteilt.

Einer unserer Mitarbeiter vor Ort berichtet: „Um eine Isolationsstation zu bauen, benötigt man Zelte. Um Räume in diesen Zelten zu schaffen, benötigt man eine Plane. Diese Plane hängt man an eine Metallkette, damit hat man eine Trennwand. Ziemlich einfach, leicht zu verstehen und schnell zu erledigen. So dachte ich. Am zweiten Tag, an dem ich Trennwände aufstelle, sitze ich auf dem Zeltboden, schneide kleine Quadrate aus der Plane aus und schneide ein Loch in die Mitte jedes dieser Quadrate: Die Trennwände müssen Löcher haben, um sie aufzuhängen, und diese Löcher brauchen eine zusätzliche Schicht Plane um das Loch, damit es nicht ausreißt.

Ein paar Stunden später frage ich mich, ob ich im Geringsten das „Du bist ein Held“ verdient habe, dass die Leute mir zujubelten, als sie herausfanden, dass ich nach Lesbos gehe. Ich weiß, dass ich Hintergrundarbeit mache. Ich weiß, dass es getan werden muss. Aber das fühlt sich wirklich klein und demütigend an. Was bedeutet es, in der Katastrophenhilfe zu arbeiten, etwas zu verändern, selbst die Veränderung zu sein, die man in der Welt sehen will? Ich denke, die Welt zu verändern sieht manchmal so aus, als würde man Löcher in kleine weiße Planenquadrate schneiden“ (ein DART-Teammitglied am 12.5.2020).

Gott ist da und das Team macht einen Unterschied. Wichtig neben allen praktischen Dingen ist die mentale Unterstützung, die unser DART-Team den anderen Hilfsorganisationen bringt. Ein Arzt schrieb an das Team: „Ich bin so froh und dankbar, dass ich euch getroffen habe, alle von euch. Ihr habt mir viel Kraft gegeben und den Willen, weiterzumachen. Ich danke euch sosehr dafür.”