Warum Jugendliche den Glauben verlieren
Sophie scrollt durch Social Media und bleibt bei einem Video hängen: Eine junge Frau erzählt auf einer Bühne,
wie sie Gott ganz intensiv erlebt hat – so nah und überwältigend, dass ihr die Tränen kommen. Bei einem
Jugendevent berichtet jemand von einem besonderen Moment, in dem Gott spürbar eingegriffen hat. Tausende liken und kommentieren begeistert. Sophie hört zu und fragt sich: Warum erlebe ich das nicht auch so? Was mache ich falsch?
Es gibt mehrere Gründe, warum Jugendliche den Glauben verlieren. Einen sehr verbreiteten möchte ich gerne ausführen. Für Jugendliche ist es wichtig, Gott zu erleben und ihn zu spüren. Sie hören eindrückliche Geschichten in Predigten oder auf Social Media, in denen Menschen berichten, wie sie Gott begegnet sind. Ihre eigenen Erfahrungen mit Gott stimmen jedoch oft nicht mit dem überein, was sie hören. Viele empfinden einen großen Druck, Gott genauso spektakulär erfahren zu müssen. Wenn das nicht passiert, kommen die Zweifel. Ist er überhaupt real? Hat er mich verlassen?
Gefühle und Erlebnisse sind zwar ein wichtiger Teil unseres Lebens, aber sie eignen sich nicht gut als Fundament unseres Glaubens. Das ist auch in anderen Lebensbereichen so, wie zum Beispiel in der Ehe. Wenn ich glaube, dass mein Partner mich nur liebt, wenn ich das gerade spüre, habe ich für die Beziehung zueinander kein stabiles Fundament. Stabilität gibt es, wenn ich mich auf die Zusage stelle, die mein Partner mir gegeben hat, dass er mich liebt. Im Glaubensleben sind die Zusagen Gottes, die er uns in der Bibel gibt, ein stabiles Fundament. Wenn wir ihn nicht spüren, können wir darauf vertrauen, dass sie trotzdem wahr sind und uns daran festhalten.
Was kann helfen, Gott zu erleben? Hierzu möchte ich noch eine Anregung aus meiner eigenen Erfahrung geben. Wenn ich mich mit anderen treffe, um die Bibel zu entdecken, dann stellen wir uns die Frage: In welche
Bereiche deines Lebens spricht Gott durch diesen Text? Was wirst du in den nächsten Tagen umsetzen?
Was ich mir dann vornehme, schreibe ich auf, damit ich es nicht vergesse. Wenn ich dann z. B. Prinzipien aus der Bibel in meinem Alltag umsetze, erlebe ich oft Gott. Ich nehme mir vor, mich mit jemandem zu versöhnen und erlebe Gnade. Ich beschließe, jemandem von meiner Gottesbeziehung zu erzählen und erfahre Gottes Kraft. Ich bete als Anwendung mit jemandem und spüre seine Gegenwart.
Wir erleben Gott oft da, wo wir dem gegenüber gehorsam sind, was er uns offenbart hat.
Ich denke, dass das nicht nur Jugendlichen hilft, Gott zu erfahren, sondern auch dir. Deshalb möchte ich dich ermutigen, Erkenntnisse aus der Bibel umzusetzen.
Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst. Denn wenn jemand ein Hörer des Worts ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Menschen, der sein leibliches Angesicht im Spiegel beschaut; denn nachdem er sich beschaut hat, geht er davon und vergisst von Stund an, wie er aussah. (Jakobus 1,22–24)
Paul Austerhuber, Leiter von SHINE und Shift